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Szene · Im Gespräch

Turnschuhtango Freiburg – Tango unter Kastanien

Seit über zehn Jahren tanzt Freiburg im Sommer unter freiem Himmel Tango: beim Turnschuhtango auf einem Marktplatz, im Winter in einer Bahnhofshalle. Wir haben mit Manfred Schreiber gesprochen, der die Milonga seit Jahren trägt – über Kastanien, einen VW-Bus und den schönsten Moment eines Sommerabends.

Ein Interview von inviTanza · Freiburg im Breisgau · Juni 2026

Hier kann ein Foto vom Platz unter den Kastanien stehen — Manfred, schickst du uns eins?
Frage 1

Zwischen Sommerwiese und Winterquartier – wie tickt euer Jahr?

Wir tanzen Open Air in der warmen Jahreszeit. Die beginnt für uns, wenn die Kastanien rund um den Platz verblüht sind – also Mitte, Ende Mai. Die Leute fragen schon ab März, wann es denn endlich wieder draußen losgeht.

Und wir bleiben draußen, bis der Herbst kommt; ich sage dann immer: eigentlich, bis die Weihnachtsmärkte öffnen. Im Winter ziehen wir in eine Schalterhalle im benachbarten Bahnhof. Die ist eigentlich ungemütlich – aber mit etwas Beleuchtungszauber und der Bitte, in warmen Jacken zu tanzen, geht es doch. Jeden Dienstagabend.

Frage 2

Turnschuhtango – darf man auch in klassischen Tanzschuhen kommen?

Bei uns ist gar nichts verboten. Wir hatten schon Tänzerinnen, die in High Heels und kurzen Hosen getanzt haben. Viele kommen in Shorts, manche in Espadrilles. Der Name ist eben Programm.

Frage 3

Steht 2026 noch etwas Besonderes an?

Ende Juni haben wir ein kleines argentinisches Orquesta auf dem Platz. Und Ende August kommt ein Bandoneonist aus Buenos Aires – Rivera.

Frage 4

Wie hat alles begonnen?

Begonnen hat es wohl um 2010. Eine Tangotänzerin – die Angelika, die im benachbarten Café Barista war – kam auf die Idee, draußen auf dem Platz, eigentlich ein Wochenmarktplatz, Tangomusik aufzulegen und zum Tanz einzuladen. Sie stellte ihren VW-Bus dort auf, öffnete die große Tür und hatte einen Lautsprecher dabei. Aus dem Keller des Cafés holte man Bierbänke zum Sitzen. Um 22 Uhr war Schluss, wegen der Nachtruhe.

Nach ein, zwei Jahren zog Angelika aus Freiburg weg. Wir waren traurig. Bald darauf stellte ich mich mit meinem kleinen Auto an dieselbe Stelle, machte die Türen weit auf und ließ Tangomusik vom CD-Player über die Bordlautsprecher laufen. Einfach so. Und die Leute kamen auch zu mir – in Spitzenzeiten waren bis zu 100 Tangueras und Tangueros da. Auf einmal war ich Organizador und Musicalizador.

Damals stieg die Szene von CD auf Computermusik um, der PC übertrug die Musik per Bluetooth auf mobile Lautsprecher. All das Equipment schaffte ich nach und nach an. Da ich musikalischer Laie bin, hörte ich mir auf vielen Milongas – in Freiburg, aber auch von Berlin und Köln bis Basel – die Sets der DJs und DJanes an und fand mit der Suchsoftware auf dem Handy die Titel heraus, die mir gefielen. Die kaufte ich als MP3. In zehn Jahren, schätze ich, rund 1.000 € für Musik – und noch einmal so viel fürs Equipment. Ein Spendenhut stand auf; vielleicht kam so das eine oder andere wieder herein.

Zunächst war es nur eine Sommerveranstaltung. Die ersten Jahre stand ich Woche für Woche allein am Platz – kein Urlaub, keine Reisen im Sommer. Dann fragten die Leute, ob es im Winter weiterginge. Im benachbarten Bahnhof fand ich die Schalterhalle, gleich daneben ein Restaurant, mit dem wir gut kooperieren konnten. Seither geht es auch winters weiter.

Frage 5

Wer trägt den Turnschuhtango – und wann ist ein Abend wirklich gelungen?

Ohne groß aufzutreten, war der Turnschuhtango eigentlich allein meine Veranstaltung. Ich habe mich um alles gekümmert: die Kooperation mit den Café- und Restaurantbesitzern, mit dem Besitzer des Platzes, mit gutwilligen wie böswilligen Nachbarn, die schon mal die Polizei riefen. Ich war Fundbüro – und wurde auch schon beklaut: ein Tablet; ein Lautsprecher gab den Geist auf.

Inzwischen haben sich zwei, drei Leute gemeldet, die auch gern auflegen und sich den Stress der Abendvorbereitung antun – so kann ich auch mal einen Abend frei nehmen. Ich schaue schon genau, ob die DJs beim Publikum ankommen, und mache ein paar Vorgaben, wie aufgelegt wird. Eine Community haben wir formal nicht gegründet, und eine Vereinsgründung scheue ich – da hat man vieles nicht mehr in der Hand. Aber wir haben ein freundschaftlich gesinntes Stammpublikum.

Am schönsten ist so ein Sommerabend, an dem die Leute eigentlich gar nicht aufhören wollen.

„Der Vollmond schwebt über den Kastanien. Lange danach bleiben Grüppchen am Platz und unterhalten sich. Im Biergarten nebenan sitzen wir unter bunten Lämpchen in der Sommernacht – und ich, sonst eher ein unscheinbarer Typ, bin als DJ mittendrin ein wichtiger Teil davon."
Im Gespräch: Manfred Schreiber, Turnschuhtango Freiburg.

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